Offenlegung im Juni 1982

Die vierwöchige Offenlegung im Juni ’82 fand – im Rückblick würden wir sagen „wie gewohnt“ – exakt zu Beginn der Schulferien statt.

Die BI appelliert – „wie gewohnt“ – an alle Mitstreiter sich mit einer Eingabe am Verfahren zu beteiligen:

IFU-Umweltgutachten aus dem Jahre 1982

INSTITUT FÜR UMWELTPLANUNG

MAKRO-UND STRUKTURUNTERSUCHUNGEN PROF. KARL-HEINZ ENGEL

PRIESSNITZSTRASSE 7
POSTFACH 1227
D 6277 BADCAMBERG WEST-GERMANY
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GUTACHTLICHE STELLUNGNAHME
FÜR DAS VORGESEHENE INDUSTRIEGEBIET „KLEINE HÖHE“
BEBAUUNGSPLAN NR. 750

Die Bürgerinitiative „Kleine Höhe“ vertreten durch Herrn Kurt Lawrenz, Schevenhofer Weg 70, 5600 Wuppertal 1 , hat mich gebeten, eine ökologische Stellungnahme für das vorgesehene Industriegebiet „Kleine Höhe“ im Raum Wuppertal und Vebert-Neviges abzugeben.

1. Wert des Gebietes aus landschaftlicher und ökologischer Sicht
Das als Industriegebiet vorgesehene Gebiet „Kleine Hohe“ ist landschaftlich sehr reizvoll und weist zahlreiche noch intakte Biotope auf. Dieses Gebiet bildet zwischen den Erholungsgebieten Neander- und Düsseltal und dem Bergisch – Märkischen Erholungsgebiet eine landschaftliche und ökologische Brücke. Diese landschaftliche und ökologische Brückenfunktion ist bereits in den letzten Jahren durch die entstandenen Neubaugebiete, sowohl von Neviges als auch von Wuppertal, durch Starke Einengungen beeinträchtigt worden. Die Vorhandene Brückenfunktion ist aber der Zeit noch erhalten. Die vorgesehene Realisierung der an stehenden Industrieplanung im Planungsgebiet „Kleine Höhe“ würde nach meiner Auffassung diese Brückenfunktion nicht mehr gewährleisten.

1.2. Veränderung des bestehenden Landschaftsbildes
Durch die besondere Lage des Gebietes und die Wegen der topographischen Verhältnisse erforderlichen Eingriffe in das Landschaftsgefüge würde das gesamte Landschaftsbild sehr beeinträchtigen und die vorhandene landschaftliche Infrastruktur würde bei der Realisierung des Industriegebietes nachteilig beeinflußt.

1.3. Zu erwartende Immissionsbelastung durch das Industriegebiet
Die Immissionen aus dem Industriegebiet würden in diesem Gesamtgebiet bei vorherrschen den Süd– Westlichen Winden nicht nur die angrenzende Wohnbebauung in Wuppertal und in Velbert-Neviges, als auch das Bergisch – Märkische Erholungsgebiet belasten.

2. Landschaftsplan Bergisch-Märkisches Erholungsgebiet
Für den Großraum Hattingen, Wuppertal und Sprockhövel , sowie die Ortsteile der Stadt Velbert, Langenberg und Neviges wurde bereits Seit dem Jahre 1972 ein Landschaftsplan erarbeitet, der dieses reizvolle und vielgestaltige Landschaftsgebiet besonders darstellt.

2.1. Das Gebiet Wuppertal und Velbert-Neviges wird in den nächsten Jahren durch die Errichtung zahlreicher Neubauten und durch den Ausbau des Verkehrsnetzes eine Veränderung erfahren. Für die in diesem Raum Wohnenden und arbeitenden Menschen birgt diese Neugestaltung eine Gefahr der Klima – Verschlechterung in Sich , wenn außer den wirtschaftlichen, Verwaltungsmäßigen, Siedlungs- und verkehrsmäßigen Gesichtspunkten nicht auch die natürlichen Gegebenheiten, insbesondere die Orographie und das Klima in diesen Gebieten bei jeder Planung Beachtung finden. Das beurteilte Gebiet ist bisher als Freifläche anzusehen, die jedoch diesem Zweck nur dann dient, wenn ihr klimatischer Erholungswert nicht durch Wärmestauungen, Kaltluftansammlungen , Nebelbildung oder Verunreinigte Luft herabgesetzt wird.

3. Landschaft und Allgemeinklima im Großraum Köln und Bergisches Land

Das Untersuchungsgebiet „Kleine Höhe“ befindet sich im Raum Wuppertal, Velbert-Neviges und ist ein Teil des Bergisch-Märkischen Hügellandes, abseits der Köln-Bonner Bucht bzw. der Niederrheinischen Tieflandbucht. Das Gebiet gliedert sich in folgende Naturräumliche Untereinheiten:
a ) Hardenberger Hügelland (zwischen Hardenberger Bach und Deilbach)
b) Elfringhauser Hügelland (Zwischen Deilbach und Felderbach
c) Märkisches Eggenland (Ostteil des Untersuchungsraumes)
d) Haßlinghauser Höhenrücken (Südliche Begrenzung des Untersuchungsraumes , Wasserscheide zwischen 
Ruhr und Wupper)

3.1. Der Untersuchungsraum befindet sich am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges. Der Untergrund besteht aus devonischen und karbonischen Gesteinen und hat den häufigen Wechsel von Sandsteinen, Tonschiefern Konglomeraten und Kohlenflözen zur Folge.
Die Böden sind zum größten Teil Verwitterungsböden und es handelt sich vorwiegend um lehmig- steinige, kalkarme und bis auf die Talauen und Teile der Hochflächen wenig tiefgründige Böden.

3.2. Der Wasserhaushalt ist bestimmt durch hohe Niederschläge. Das Erholungsgebiet „Kleine Höhe“ hat ein dichtes Gewässernetz, großen Quellenreichtum und Wasser Speichermöglichkeiten im Untergrund.

3.3. Das Bergisch-Märkische Erholungsgebiet wird gekennzeichnet durch den maritimen Charakter seines Klimabereiches mit relativ milden Wintern und nicht zu heißen Sommerperioden.

3.4. Die Windverteilung im Erholungsgebiet „Kleine Höhe“ ist für die im Frühling ein setzende Zunahme der westlichen Winde typisch. Im Herbst erfolgt wieder ein Rückdrehen des Windes, so daß im Winter der Südwind am stärksten hervortritt. Diese thermische Begünstigung zeigt sich auch in dem zeitigen Frühlingseinfluß, im schnellen Pflanzenwachstum und in dem zeitigen Erntebeginn . Diese thermische Begünstigung , von der vor allem die Land- und Forstwirtschaft profitiert, hat aber auch negative Auswirkungen. So kann die Wärmebelastung für den Menschen im Bergisch – Märkischen Erholungsgebiet viel größer sein als im Nord-Westdeutschen Flachland oder in der Münsterländer Bucht.

4. Klimatisch bedingte Forderungen für das Gebiet „Kleine Höhe“
Bei der Planung des Gebietes „Kleine Höhe“ im Raum Wuppertal und Velbert-Neviges soll auf einfache Weise dargelegt werden, daß es notwendig ist, hinsichtlich

Durchlüftung
Wärmestauung
Schwüle
Luftstagnation
Reinhaltung der Luft usw.

ein besonderes, klimatisches und ein weniger bedenkliches Klima zu erhalten. Es ist wichtig, daß in diesem Gebiet auch an den Hängen die Gesamtplanung auf die vorhandenen spezifische Klimaeigenschaft abgestellt worden sollte, um eine Verschlechterung des von der Landschaft und der bisherigen Flächennutzung geprägten, für Mensch, Tier und Pflanzen wie auch für Gebäude und technische Einrichtungen, ungünstiges Klima zu vermeiden. Es ist daher notwendig, in Gebieten, die topographische Verhältnisse aufweisen wie das Planungsgebiet „Kleine Höhe“, daß jede Bauplanung von vornherein eine ökologische Prägung erhält.

Abschließende Bemerkungen:

Die mir vorgelegten Planungsunterlagen für das Gebiet „Kleine Höhe“ habe ich unter ökologischen Gesichtspunkten geprüft und ich bin zu folgender Auffassung gekommen:
Eine Industrialisierung des Gebietes „Kleine Höhe“ muß ich aus ökologischen Gründen ablehnen, da mit Sicherheit zu erwarten ist, daß die vorhandene Lebensqualität sich wesentlich verschlechtern wird und die von mir erwähnten Brückenfunkionen nicht mehr erhalten werden können. Für den Fall, daß überhaupt in dem Planungsgebiet „Kleine Höhe“ weitere Baumaßnahmen zur Durchführung kommen sollten, müßten die Planungen unter Berücksichtigung der am Standort Vorhandenen ökologischen Bedingungen durchgeführt werden, um die Forderung der Be- und Entlüftung dieses Gebietes bei der gegebenen 
Topographie zu gewährleisten.

I  F  U  FÜR UMWELPLANUNG

PROF. KARL-HEINZ ENGEL

„Kleine Höhe” soll genauer unter die Lupe genommen werden

WZ, Samstag, 30 Januar 1982

Für ökologisches Gutachten

„Kleine Höhe” soll genauer unter die Lupe genommen werden

Das Pochen der Bürgerinitiative „Kleine Höhe” gegen ein an der Stadtgrenze zu Neviges geplantes Industriegebiet mit etwa 250 000 Quadratmetern bebauter Fläche zeigt erste, zarte Erfolge. Zumindest in der Bezirksvertretung Katernberg/Uellendahl regen sich die Geister, die nicht mehr ganz uneingeschränkt der Industrie kleine Wälder, Wiesen und Feuchtgebiete überlassen wollen.

In der letzten Sitzung der Bezirksvertretung hatte man sein Votum für oder gegen eine Offenlegung des von der Verwaltung ausgearbeiteten Planes „Industriegebiet Kleine Höhe“ zu geben. Der Entscheid fiel für die Offenlegung, obwohl auf Seite der SPD zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung und auf Seite der CDU zwei Gegenstimmen zu verzeichnen waren. – Die im Stadtrat dokumentierte Einigkeit in diesem Thema hat zumindest an der politischen Basis feine Risse.

Klar wurde dies, als es über einen Antrag des CDU-Bezirksvertreters vom Endt zu diskutieren galt. Man möge als Bezirksvertretung den Rat der Stadt bitten, bei der Landesanstalt für Ökologie ein ökologisches Gutachten einzuholen, hatte der Landwirt gefordert und stieß damit bei den eigenen Parteifreunden sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung.

Er möge sich erst einmal in Ruhe einen ausgereifteren Antrag einfallen lassen und die schwammigen Begriffe wie „Ökologie“ und „Gutachten“ näher definieren, riet ihm sein Parteifreund Nolte, SPD-Vertreter Lochner Schloß sich dem an. Doch vom Endt fand auch Zustimmung. Auch von SPD-Vertretern. So begrüßte SPD-Bezirksvertreter Wettlaufer den Antrag und wies darauf hin, daß man von der Verwaltungsseite bisher zum Thema Ökologie noch gar nichts gehört habe.

Mit knapper Mehrheit wurde der Antrag für ein ökologisches Gutachten angenommen. Der Rat der Stadt hat nun endgültig darüber zu befinden. hens

Alle Seiten hören

Wie eigentlich sollten sich die politisch Verantwortlichen Bürgervertreter eine Meinung bilden? Kann man nicht erwarten, daß Sie bei strittigen Themen alle möglichen Seiten Zu Wort kommen lassen, um erst dann ihre Stimme zum „Ja“ oder „Nein“ zu erheben?

Manche scheinen das nicht für notwendig Zu halten. Die Diskussion der Bezirks Vertretung Katernberg/Uellendahl ließ den Zuschauer Staunen. Da Wird von einem Industriegebiet geredet mit 250 000 Quadratmeter großer Bebauungsfläche und einem um weitere 200.000 Quadratmeter größeren Einzugsgebiet. Da hört man, daß die Aufschließung dieses Geländes 21 Millionen Mark kosten wird. – Und jemand macht sich lustig über die, die gerne neben der Verwaltungsmeinung für die Industrieansiedlung auch noch die Meinung Sachverständiger zu den ökologischen Fragen hören wollen.

Sicher, ein solches ökologisches Gutachten kostet Geld und Zeit. Doch Wenn man bedenkt, daß ein Teil des Industriegebietes auf heute noch unter Landschaftsschutz stehendem Boden Wachsen soll, daß die Untere Landschaftsbehörde bereits ihre Bedenken angemeldet hat, daß hier nach dem Abstandserlaßgesetz Betriebe der Asbestverarbeitung, Kraftwerke, Metallverarbeiter und Viele andere zugelassen sein Werden, sollte man Sein Ohr auch einmal den Ökologen gönnen.

Rausgeworfenes Geld wird das nie bedeuten. Denn wenn auch nach dem Gutachten für das Industriegebiet Votiert wird, kann man sicher einige umweltschützerische Erkenntnisse mehr in die weiteren Planungen einbeziehen.

Susanne Hensmann

Namhafte Politiker und Verwaltung eingeladen

WAZ, Mittwoch, 13. Januar 1982

Weiterhin gegen Wuppertaler Industrieplanung

Initiative Kleine Höhe: Namhafte Politiker und Verwaltung eingeladen

NEVIGES. Die Bürgerinitiative „Kleine Höhe“, die sich aus „Alt-Nevigesern“ und „Neu-Wuppertalern“ zusammensetzt, wehrt sich weiterhin gegen die Wuppertaler Industriepläne. Bekanntlich kam das Gebiet Kleine Höhe/Obensiebeneick durch die Gebietsreform 1975 zu Wuppertal.

Allerdings bestand schon zu Nevigeser Zeiten die Planung, daß dort ein Unternehmen angesiedelt werden sollte. Dies aber wurde nicht verwirklicht. Am Montag, 18. Januar, 1930 Uhr, findet im Haus Sondermann, Siebeneicker Strase, eine Versammlung statt.

Eingeladen dazu sind namhafte Vertreter der Politik und aus der Verwaltung von Velbert und Wuppertal; so zum Beispiel Bürgermeister Heinz Schemken und Wuppertals Oberbürgermeister Gottfried Gurland, ebenso) Wuppertals Oberstadtdirektor Platte, die Beigeordneten Stern (früher Velbert), Dr. Geisler (Wirtschaft) und Ahlemann (Planung). Weiterhin werden die Landtagsabgeordneten aus Wuppertal erwartet; die Velberter Ratsmitglieder Ernst Adolf Sckär, Norbert Franke, Manfred Duncker, Rolf Colsman und Johannes Obermüller, Ratsherr im einstigen Nevigeser Rat.

Die Bürgerinitiative „Kleine Höhe“ will vermeiden, daß in der Versammlung lediglich die „Nevigeser Vergangenheit“ bewältigt wird. Es hieße vielmehr, den Blick nach vorn zu richten.

Inzwischen haben sich in der Bürgerinitiative mehrere Arbeitsgruppen gebildet, die sich, so Hans Joachim Moser, mit Ökologie, Wirtschaftsfragen oder Verkehrsfragen befassen.

Die für das Gebiet zuständige Bezirksvertretung Katernberg-Uellendahl hat ihren Sitzungstermin bereits verschoben, um der Initiative Zeit zu geben, neue Argumente zu sammeln. Zu den Bezirksvertretern gehört auch der Nevigeser Ortslandwirt Hans-Günter vom Endt. (Die Bauernorganisation hat ihre Grenzen nicht geändert).

Wuppertals Beigeordneter Reinhard Stern, verantwortlich für das Bau- und Planungswesen, berichtete, daß zwar ein uneingeschränktes, aber ein gestaffeltes Industriegebiet vorgesehen sei. In der Legende seien auch etliche Einschränkungen vorgesehen, die emmissionsträchtige Betriebe (z. B. Gießereien) ausschlössen. Stern fügte hinzu, daß noch in seiner „Velberter Zeit“ mit Wuppertal über dieses Gebiet verhandelt worden sei. Damals – nach der Gebietsreform- seien über diese Einschränkungen erfolgreich verhandelt worden. Auch sei die Velberter Verwaltung damals beim Regierungspräsidenten Düsseldorf vorstellig geworden. Dort sei erklärt worden, einer der Zwecke der Neugliederung sei, daß Wuppertal Flächen erhalte, die gewerblich zu nutzen seien. Sonst hätte das Gebiet auch gleich zu Velbert zugeschlagen werden können.

Bürgerinitiative gegen Industrie

WZ Stadtausgabe Velbert-Neviges, Freitag, 4. Dezember 1981

Bürgerinitiative gegen Industrie

Es geht um das Gebiet „Kleine Höhe“

Velbert-Neviges. Am Mittwochabend fand wie angekündigt in der Gaststätte Wicküler Krug eine Versammlung der Bürgerinitiative Kleine Höhe statt. Die Sprecher dieser Initiative, Lawrenz und Jansen, erläuterten dabei die bisher erzielten Ergebnisse und das weitere Vorgehen der Interessengruppe. . Die Ergebnisse seien derzeit zwar noch recht mager, meinten die Herren, doch läge das einmal daran, daß diese Bürgeriniative noch sehr jung sei und zum anderen, daß die Beschlußfassung der Bezirksvertretung Uellendahl/Katernberg aufgeschoben worden ist.

Die Bezirksvertretung soll darüber entscheiden, ob das Industriegebiet Kleine Höhe nun als eingeschränktes oder als ein uneingeschränktes Industriegebiet ausgewiesen werden soll. Man wird jetzt bis mindestens Ende Januar 82 , darauf warten müssen. Aber die Klärung dieser Frage ist das Kernstück der Nevigeser  Bürgerinitiative. Sie kämpft darum, daß die Stadt Wuppertal das Gebiet Kleine Höhe als nicht industrialisierbar festlegt, um zu verhindern, daß umweltgefährdende Industrie im Einzugsbereich von Neviges sowie dem Wuppertaler Stadtteil Obensiebeneick angesiedelt wird. Ein weiteres Ziel der Bürgerinitiative ist die verstärkte Information der Bürger. Die beiden nächsten Termine. Am Sonntagmorgen um 10.30 Uhr findet eine Begehung des geplanten Industriegebietes statt, Treffpunkt ist die Haltestelle Am Lindchen. Am Mittwoch kommender Woche trifft sich die Gruppe um 20 Uhr in der Gaststätte Fuchspark in Elberfeld in der Nähe des neuen Fernsehturms. Zu beiden Veranstaltungen sind Interessenten herzlich eingeladen. Markus Schmies

 

BI-Archiv 02.12.1981

BÜRGERINITIATIVE “ KLEINE HÖHE “
Wuppertal-Obensiebeneick, den 2. 12. 81

An alle unsere Interessenten u. Sympathisanten!

Wie ich angekündigt hatte, kommt heute ein weiteres Rundschreiben zu Ihnen ins Haus.

Zunächst möchten wir uns ( d.h. der “ leitende Arbeitskreis “ ) bei sehr vielen Mitbürgern recht herzlich bedanken. Sie haben Sturm u. Schnee getrotzt, um Unserem Anliegen auf der Bezirksvertretung am 25.11.1981 Nachdruck zu verleihen.

Die Bezirksvertretung Üllendahl-Katernberg hat die Beschlussfassung über das Industriegebiet “ KLEINE HÖHE “ bis Ende Januar aufgeschoben, um uns Zeit zu geben, neue Argumente für Einwände zu sammeln U. vorzutragen.

8 Arbeitsgruppen Unserer Initiative haben damit begonnen, Gegenargumente zu erarbeiten. Die Themen dieser Gruppen können bei mir erfragt werden.

Interessierte u. sachkundige Mitbürger werden zur Mitarbeit dringend benötigt. u. aufgerufen, aktiv mitzuarbeiten !

In den nächsten Tagen werden Mitglieder Unserer Initiative an Ihre Tür klopfen, Um Sie, Ihre Angehörigen u. Nachbarn als weiteres Mitglied zu werben.

Je größer Unsere Mitgliederzahl, desto aussichtsreicher ein Erfolg!!!

Um die ersten Unkosten zu decken, benötigen wir zunächst einen einmaligen Beitrag von DM 10,– pro Familie / Haushalt. Wir hoffen auf Ihr Verständnis !

In den nächsten Wochen veranstalten wir eine Mitglieder-Versammlung, zu der Sie noch eingeladen werden, Um das weitere Vorgehen zu beraten.

Unser “ leitender Arbeitskreis “ hat beschlossen, auch die Interessenten aus Neviges in unsere Initiative aufzunehmen.

Wie Sie aus anliegendem Blatt entnehmen können (Link1, Link2), beschäftigt sich die Nevigeser Beilage des GA / WZ mit unserem Problem, wogegen die Lokalredaktion Wuppertal Unsere Bemühungen totschweigt. Die Nevigeser Ausgabe zum GA / WZ ist billiger als die „Nur-Wuppertaler“ – Ausgabe.

„Erst Aufforstung, dann Gewerbeansiedlung“

WZ Stadtausgabe Freitag, 27. November 1981

zu CDU: Gespräch mit Bürgern

SPD: Fakten statt Polemik

„Erst Aufforstung, dann Gewerbeansiedlung’

Velbert-Neviges. Norbert Franke, Vorsitzender der Velberter SPD-Ratsfraktion, arrangierte jetzt ein Gespräch mit den Wuppertaler Sozialdemokraten zum Problem „Gewerbe- und Industrieansiedlung an der Stadtgrenze’. Dabei haben die Nevigeser und Wuppertaler Sozialdemokraten vereinbart, daß es beim künftig anzuwendenden Abstandserlaß keine Ausnahmen geben soll. Desgleichen haben die Wuppertaler SPD-Vertreter die Forderung der Nevigeser Sozialdemokraten akzeptiert: Erst Aufforstung in Richtung Neviges-Asbruch und danach Gewerbeansiedlung.

Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Velbert hat kein Verständnis dafür, wenn sich Nevigeser CDU-Politiker empört über das Wuppertaler Vorhaben äußern, obwohl alle CDU-Politiker in der Vergangenheit dem Vorhaben ausdrücklich zustimmten. Als Beweis führen sie an:

  • „Die beabsichtigte Flächennutzungsplanungs-Anderung Nr. 551 der Stadt Wuppertal wird zustimmend zur Kenntnis genommen“: Diesem Beschlußvorschlag Stimmte auch CDU-RatSmitglied Sckär in der 26. Sitzung des Planungsausschusses im August 1978 zu.
  • In der Sitzung des Hauptausschusses im September 1978 stimmte Zur „Stellungnahme der Stadt Velbert zur Flächennutzungsplan-Ergänzung Nr. 551 der Stadt Wuppertal“ CDU-Ratsmitglied Sckär ebenfalls für die Industrieansiedlungs-Absichten der Stadt Wuppertal.
  • Der Beschluß im Hauptausschuß am 5. 9. 1978 wurde mit 14 Stimmen, bei einer Gegenstimme, gefaßt: die Gegenstimme kam vom SPD-Vertreter Norbert Franke. Franke hatte bereits in der Fraktionssitzung der SPD am 4. 9. 1978 Seine Bedenken gegen die Absichten der Stadt Wuppertal zu Protokoll gegeben. Im übrigen merken die Sozialdemokraten an, daß die Firma Glanzstoff nicht nur ein Verwaltungsgebäude, sondern auch ein TextilTechnisches-Institut mit Maschinenpark und Hubschrauber-Landeplatz zwecks Anflug nach Arnheim geplant hatte für das Gebiet „Obensiebeneick/. Kleine Höhe“.

Weiter heißt es: „Die Ansiedlung neuer und die Einbindung bestehender Betriebe unter umweltfreundlichen Gesichtspunkten ist ein kommunalpolitischer Schwerpunkt der SPD. Vorhandene Arbeitsplaitize müssen gesichert und vielseitigere, humanere Arbeits- und Zukunftsorientierte Ausbildungsplätze geschaffen werden. In Velbert = aber auch beim Nachbarn Wuppertal.“

Protest macht Wuppertaler Vorsitzenden nachdenklich

WZ Stadtausgabe Freitag, 27. November 1981

Link hierzu: SPD: Fakten statt Polemik

Im Blickpunkt: Das geplante Industriegebiet „Kleine Höhe“

CDU: Gespräch mit Bürger

Protest macht Wuppertaler Vorsitzenden nachdenklich

Von unserem Redaktionsmitglied Eric Bonse

Velbert-Neviges. Die Diskussion um die von der Stadt Wuppertal geplante Industrieansiedlung im Gebiet Obensiebeneick/ Kleine Höhe macht jetzt auch Wuppertaler Politiker nachdenklich: Gestern signalisierte Hans-Jürgen Lichtenberg, CDU-Vorsitzender und Mitglied des Landtags, Verständnis für die Einwände Nevigeser und Wuppertaler Bürger, die ihm bislang „nicht bekannt’ gewesen seien. Unterdessen formiert sich eine ortsübergreifende Bürgerinitiative gegen die angeblich schon konkreten Pläne Wuppertals für die Stadtgrenze

Vertreter der Initiative und Wuppertaler CDU-Politiker hatte Heinz Schemken in seiner Eigenschaft als CDU-Kreisvorsitzender zu einer Pressekonferenz geladen. Schemken betonte, daß „kurzfristige parteipolitische Schachzüge“ der Sache nicht dienlich seien.

Die Ausweisung der „Kleinen Höhe“ als uneingeschränktes Gewerbegebiet, die Wuppertal per Flächennutzungsplan schon 1976/77 vornahm, bezeichnete Schemken als ,,erschreckend“. Die ehemalige Stadt Neviges habe mit der Firma Glanzstoff vereinbart, daß hier nur Dienstleistungsbetriebe angesiedelt werden dürfen. Schemken betonte den Gegensatz zu den Wuppertaler Plänen, die nun auch immissionsträchtige Industrie möglich machten, und zum Entwurf des Gebiets-Entwicklungsplans:

Danach war für die fragliche Fläche, alles in allem 1,25 Millionen Quadratmeter, ein Grünzug vorgesehen. In Wuppertal hingegen herrscht die Sichtweise „Was Neviges recht war, ist Wuppertal billig“, berichtete Lichtenberg, der auch an die Arbeitsmarkt-Probleme seiner Stadt erinnerte. Gleichwohl hätten die Bürger sich früher melden sollen. „Wach wurde man erst nach der Anhörung zum Bebauungsplan im September. Die zahlreich vorgetragenen Bedenken hatten den Erfolg, daß die Wuppertaler Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg die Entscheidung über den Plan jetzt auf Januar vertagte. Mit der Offenlegung ist daher erst im Frühjahr ’82 zu rechnen; dann sind auch rechtlich wirksame Einsprüche möglich. Allerdings, so behauptet der Velberter Hans-Joachim Moser, will die Stadt Wuppertal den Landwirten am Stadtrand ebenfalls schon im Frühjahr die Erlaubnis zur Bebauung entziehen.
Mit 50 weiteren Bürgern, die eine Bürgerinitiative gegen die Gewerbepläne gründen wollen, fordert er von der Nachbarstadt nun konkrete Information.

Glanzstoff: Acht Millionen an Grundstücken verdient?

WZ Stadtausgabe Freitag, 27: November 1981
Velbert-Neviges

Glanzstoff: Acht Millionen an Grundstücken verdient?

Velbert-Neviges (ebo)„Die Firma Glanzstoff hat an Grundstücksgeschäften mit Wuppertal über acht Millionen Mark verdient“. Dies behauptete gestern in einer Pressekonferenz zum Thema „Kleine Höhe“ der Wuppertaler Bezirksvertreter Hans-Günther vom Endt (CDU, Uellendahl-Katernberg. Die Stadtrandfläche, auf der Wuppertal eine Industrieansiedlung plant (siehe nebenstehenden Bericht), habe die Stadt für 12 Millionen bei „Glanzstoff“ gekauft Die Firma habe das Areal jedoch vor Jahren für insgesamt nur 3,5 Millionen bei Nevigesern erstanden.

Gründung der BI „Kleine Höhe“

56 Wuppertal 1, den 23. November 1981

An alle Einwohner von Obensiebeneick und Umgebung

Sehr geehrte Nachbarn ! Unter Zeitdruck gebe ich Ihnen folgende Informationen:

  1. Wie ich erst kürzlich erfahren habe, findet am Mittwoch dem 25. Nov. 81 um 18 Uhr im Planungsamt Kohlstr. 51 eine Sitzung der Bezirksvertretung Uellendahl/Katernberg statt. Punkt 2 der Tagesordnung so.) die Beschlußfassung über das Industriegebiet „Kleine Höhe“ sein. Ich habe den Vorsitzenden Schriftlich gebeten, die Beschlußfassung noch aufzuschieben, da von uns aus noch neue Argumente zu erwarten wären. Es Wird unserem Anliegen sehr dienlich sein, wenn möglichst Viele ZUhÖrer an dieser Sitzung teilnehmen Werden!
  2. Um unseren Argumenten bei der Bezirksvertretung mehr Nachdruck. Zu geben, hat heute Abend eine Zusammenkunft der Nachbarn stattgefunden, die auf meinem Fragebogen angekreuzt hatten, daß sie „aktiv“ mitarbeiten wollten. Wir haben jetzt eine Bürgerinitiative gegründet.
  3. Mein ursprüngliches Vorhaben, die Bürgerinitiative auf einer allgemeinen Versammlung zu gründen, mußte deshalb aufgegeben werden. Wir werden aber trotzdem in den nächsten Wochen eine Versammlung einberufen, um den Vorstand vorzustellen, und um das weitere Vorgehen zu beraten.
  4. In den nächsten Tagen lassen wir Ihnen weitere Informationen Zukommen.

Mit freundlichem Gruß